Orale Einnahme ätherischer Öle – inklusive Risiko

    Orale Aufnahme von ätherischen Ölen

100% naturreine ätherische Öle bestehen zu 100% aus naturreiner Biochemie.
Diese „Chemie“ – also die Inhaltsstoffe und deren Komplexität – macht die Wirkung von ätherischen Ölen auf unseren Körper aus. Diese Öle werden aus Pflanzen gewonnen, sie sind hochwirksame Konzentrate mit Wirkungen und Nebenwirkungen.
Um sich das besser vorstellen zu können: Um 1g ätherisches Thymianöl zu gewinnen, sind etwa 120g Pflanzenmaterial nötig, das Öl sitzt überwiegend in den kleinen Blättchen.

Im Moment finden sich viele Hinweise von Angehörigen des MLM (Multi-Level-Marketing) in den Sozialen Medien. Darin werden Detox-Kuren und andere Anwendungen mit der Einnahme von puren ätherischen Ölen empfohlen.

Welches Risiko besteht bei der Einnahme von ätherischen Öle auf den Körper?

  • Es besteht die Gefahr einer Schleimhautreizung im Mund- und Rachenbereich und bei längerer Anwendung auch die Gefahr einer Entzündung. Jeder Körper ist unterschiedlich empfindlich und hat möglicherweise unterschiedliche Vorerkrankungen.
  • Leberbelastung: Alle fettlöslichen Stoffe, die über den Nahrungsweg aufgenommen werden, müssen in der Leber hydratisiert werden, um weiter abgebaut werden zu können. Der enterohepatische Kreislauf (verschiedene Substanzen aus der Gallenflüssigkeit werden vom Körper wieder aufgenommen, um erneut der Leber zugeführt zu werden) kann eine Anreicherung von Schadstoffen im Körper bewirken.
  • Was über die Leber in die Ausscheidungswege gelangt wirkt auch auf das Mikrobiom des Darms. Phenolhaltige Öle wie Bohnenkraut, Oregano, Thymian ct. Thymol verändern die Darmbakterien und dezimieren nicht nur pathologische Keime.
  • Einige ätherische Öle und deren ggf. toxische Metabolite wirken auf die Förderung oder Hemmung des Isoenzym Cytochrom P450. Dieses Cytochrom ist elementar für die Wirksamkeit von Arzneimitteln und kann sie beeinflussen. Bei Pflanzen wie Johanniskraut und deren Extrakte kennen wir die Grenzen der therapeutischen Verordnung, die Grenzen und Konzentrationen bei ätherischen Ölen sind nicht ausreichend erforscht. Auffällig waren hier ätherische Öle von Myrte, Kamille blau und Rosmarin.
  • Vergiftungen durch zu häufige Einnahme und/oder zu hohe Dosierung von ätherischen Ölen sind möglich. Dazu gehören ätherische Öle wie Eucalyptus, Teebaum, Poleiminze, Muskatnuss, Campher, Wintergrün. 1 TL Wintergrünöl enthält ca. 6g Methylsalicylat – das entspricht einer Tablettenmenge von 20 Aspirin® 300 mg.
  • Schädigung des Nervensystems – Neurotoxizität. Hier fallen ätherische Öle mit hohem Monoterpenketongehalt (Campher, Thujon und andere) auf. Dazu gehören Salbei, Rosmarin ct. Campher, Schopflavendel, Ysop off. und andere.

Dahingegen gibt es ätherische Öle, die für die innere Anwendung zugelassen sind, diese sind meist in Drageeform und oft erst dünndarmlöslich. Ebenfalls stellen spezialisierte Apotheken Emulgate her, um spezielle Pathogene im Mikrobiom zu reduzieren, die Einnahme erfolgt über eine begrenzte Therapiedauer.

In der Aromapflege sind gesetzliche Regelungen zu berücksichtigen, eine orale Einnahme ist darin nicht vorgesehen. Ätherische Öle für die innere Anwendung werden von Ärzten und Heilpraktikern verschrieben, die sich intensiv in Aromatherapie fortgebildet haben. Empfehlen Laien die Anwendung, können diese später nicht verantwortlich gemacht werden.

Neben diesen Risikoaspekten ist es auch inzwischen wichtig, auf Ressourcenschonung zu achten, denn Pflanzen sind nicht in unendlicher Menge für die Herstellung von ätherischen Ölen zu bekommen, der Einfluß des Klimawandels kann dabei noch gar nicht abgeschätzt werden.
In Aromafachkreisen wird auch inzwischen kritisch auf die wirklich notwendige Dosierung geschaut. Alte Quellenangaben
sollten ggf. hinterfragt werden. Die Erfahrungen bei der Wirksamkeit in Therapie und Pflege sind weiterhin sehr gut, auch bei geringeren Dosierungen. Das schont die Ressourcen und letztendlich auch unser Budget.

(Quelle: Forum Essenzia 67/2026)Thymian blühend

Noch mehr Informationen zu dem Thema gibt es in der Aromatherapie-Ausbildung:

Aromatherapie

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